Mündige Bürger für ein freiheitlich-demokratisches Europa – Europatag an unserer Schule

„Europa ist mein Land, Deutschland meine Stadt und mein Wohnort Kirchen mein Stadtteil,“ so die Kommunalpolitikerin Anna Neuhof, als sie von den Schüler/innen der August-Sander-Schule gefragt wurde, was für sie Europa bedeute.

Seit einigen Jahren führt die August-Sander-Schule in Altenkirchen den Europatag durch. Die Veranstaltung wird von Schüler/innen in einem Seminar in Kooperation mit der Evangelischen Landjugendakademie vorbereitet. In dem Seminar lernen die Jugendlichen die europäischen Institutionen kennen und erfahren, was die EU für die Menschen in ihrem Alltag macht und ihn erleichtert. Zudem schlüpfen die Jugendlichen im Rahmen eines Planspiels in die Rolle von Europapolitiker/innen und versuchen zu einem aktuellen europapolitischen Thema, wie bsw. der Migrations- und Flüchtlingspolitik Lösungen zu finden.

Ziel der Kooperation zwischen der Realschule und der Evangelischen Landjugendakademie ist es, die Jugendlichen gerade in Zeiten, in denen der Nationalismus in vielen Ländern zunimmt für die EU und den Gedanken der europäischen Integration zu begeistern, damit diese ihre positiven Gedanken zu Europa weitergeben. Gerade in Zeiten, in denen Jugendliche wie selbstverständlich europäische Werte leben und von offenen Grenzen und Vielfalt profitieren aber auf der anderen Seite die politische Union in Europa von vielen Menschen immer kritischer gesehen wird, ist es ein wichtiges Ziel der politischen Jugendbildung, die junge Generation zu kritischen Europäer/innen zu bilden. Die Jugendlichen sollen dazu ermutigt werden ihre eigenen Visionen von der EU der Zukunft in die Gesellschaft einzubringen, damit nicht nur die alte Generation über die Zukunft der EU bestimmt, so Philipp Schlicht, verantwortlicher Referent für jugendpolitische Bildung der Evangelischen Landjugendakademie.

Anlässlich des Europatages, der an die sogenannte Schuman-Erklärung und damit an die Geburtsstunde der Europäischen Union erinnern soll, führte die Realschule eine Feierstunde mit anschließendem politischem Gespräch durch. Das Planspiel wird im Rahmen dieser Veranstaltung allen 10ten Klassen der Schule vorgestellt. Für die musikalische Rahmung sorgte der Musiklehrer Patrick Ochmann, der in Anspielung auf den Brexit ein Stück aus den Enigma Variationen des britischen Komponisten Edward Elgar spielte.

Nachdem in den letzten Jahren Europapolitiker aus den großen Parteien eingeladen wurden, so war diesmal die Kommunalpolitikerin und aktuelle Direktkandidatin für den Bundestag der Partei Bündnis 90/Die Grünen zur Diskussion geladen. Frau Neuhof war es besonders wichtig, das Grundrecht auf Asyl zu betonen. Außerdem plädierte sie für eine geregelte Einwanderung nicht nur für Eliten, welche in der Forderung nach einem Einwanderungsgesetz mündete. „Ein gemeinsames Europa bedeutet auch Frieden in Europa“, so Neuhof, „ das darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Das bedeutet auch für gerechte Beziehungen der europäischen Länder untereinander zu sorgen und es bedeutet das Rechte und Pflichten für alle Länder gelten müssen“.

Schulleiterin Doris John rief noch einmal in Erinnerung, wie wichtig die europäische Integration für den Frieden in Europa ist. 70 Jahren Frieden sei unmittelbar mit dem europäischen Gedanken verwoben. Sie forderte die Schüler/innen auf, sich nicht von Populisten täuschen zu lassen.

Der Organisator der Veranstaltung, Axel Karger, bezog sich auf die grassierende Verbreitung von Falschmeldungen in sozialen Medien und räumte direkt mit dem einen oder anderen Vorurteil auf. „Lasst Euch keinen Bären aufbinden! Informiert Euch und engagiert Euch für Euer Europa,“ so der Appell des Fachvorsitzenden Sozialkunde.

Der Europatag ist ein gutes Beispiel, wie man den Anforderungen der neuen Lehrpläne für die Fächer Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde gerecht werden kann. Das Thema Europa bietet den Schüler/innen die Gelegenheit, fächerübergreifend historische, geographische und politische Kompetenzen zu erwerben. Damit kommt man dem Ziel näher, mündige Bürger/innen, die sich mit dem freiheitlichen Verfassungsstaat identifizieren, heranzubilden.

 

Fotos: Axel Karger